Ein Sommertag
Puppentheater Rabcio in Rabka Zdrój, Polen
Die Handlung spielt sich in einem kleinen Kurort an einem schönen Sommertag ab. Zwei Männer treffen sich zufällig am selben Ort - dem einen gelingt im Leben nichts, dem anderen kommen Erfolge fast mühelos. Doch beide sind unglücklich, beide betrachten ihre Existenz als erbärmlich und unfruchtbar, beide beschließen schließlich, sie zu beenden. Durch eine seltsame Fügung des Schicksals wählen sie denselben Ort und die gleiche Zeit für ihren Selbstmord - und behindern sich gegenseitig. Ein ausdrucksstarkes Gespräch über den Sinn der Existenz beginnt, tritt aber in den Hintergrund, als beide eine schöne und etwas geheimnisvolle Frau kennenlernen.
Mrożek verbindet in "Ein Sommertag" meisterhaft raffinierten Humor mit philosophischer Meditation und reduziert die Anzahl der Ereignisse auf ein Minimum, um die psychologischen Porträts der Figuren umso deutlicher zu zeichnen. Das zentrale Thema ist der Sinn des Lebens - und die Handlung führt zu eher pessimistischen Schlussfolgerungen. Die Liebe bietet eine Chance für existenzielle Erfüllung, doch Menschen fürchten sich zu lieben: die einen, wie Nieud, wegen ihrer Komplexe; die anderen, wie Ud, aus Hochmut und Angst vor Enttäuschung. Mrożek scheint zu fragen, ob wir nicht bewährte Kompromisse radikalen Entscheidungen vorziehen - selbst um den Preis seelischen Leidens. In diesem Kontext wird der Titel des Stücks zur Metapher seiner eigenen Farblosigkeit.
In Filip Bocheneks Inszenierung wurden die philosophischen und psychologischen Nuancen des Textes in eine außergewöhnlich metaphorische Szenografie übersetzt. Die Figur der Dame erhielt eine poetische Interpretation, und die Protagonisten - die Masken oder unbestimmte Formen anlegen - schaffen gleichzeitig ihr Bild und suchen sich selbst. Sie sind zugleich Verkörperung von Mrożeks Überlegungen zum Sinn des Lebens und Porträts von Menschen aus Fleisch und Blut: bald tragisch, bald grotesk, durchgehend sehr einsam.
Regie: Filip Bochenek
Musik: Marcin Sosiński
Darsteller: Krystyna Kachel, Łukasz Łęcki, Filip Bochenek
Premiere: Oktober 2020
Dauer: 60 Minuten











