Rodzeństwo
Stefan-Jaracz-Theater in Łódź, Polen
Thomas Bernhards "Rodzeństwo" (Geschwister) ist ein Werk über Liebe - außergewöhnlich schwierig, das seine Charaktere in den schmerzhaften Griff von Bedauern, Verletzungsgefühl, zeitweise Wut und Hass verstrickt. Trotz ihres Leidens klammern sich Bernhards Protagonisten aneinander, wollen zusammenbleiben, eine Familie bilden. Es ist leicht, den Eindruck zu bekommen, dass sie eine Art perverse Lust daraus ziehen, dass sie sich aus egoistischen Motiven gegenseitig quälen, zu Verzicht zwingen, absichtlich verletzen. Es gibt auch eine beträchtliche Portion masochistischer Wonne darin, wie sie sich gegenseitig als Opfer der übrigen Verwandten betrachten.
Doch es lohnt sich, die Beziehung dieser drei Menschen anders zu betrachten - als einen Akt außergewöhnlicher Opferbereitschaft und verzweifelten Verlangens, eine Bindung aufrechtzuerhalten, die zwar destruktiv ist, aber gleichzeitig etwas aufbaut. Es ist kein Zufall, dass Bernhards Charaktere, inspiriert vom österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein und seinen Schwestern, trotz allem zusammenbleiben. Um sich gegenseitig zu quälen, sich gegenseitig zu beleidigen, zu demütigen - aber auch zu lieben. Furchtbar, in jedem Sinne des Wortes.
Uraufführung: 27. April 2024, Kammerbühne. Dauer: 3 Stunden (zwei Pausen). Im Stück wird geraucht.











