Ernst Molden Konzerte 2026: Wien, Linz und der Mann, der das Wienerlied neu erfindet
Vielleicht sagt dir der Name nichts. Aber stell dir eine Stimme vor, die Wien so rau und dunkel klingen lässt, wie Tom Waits den amerikanischen Süden besingt: Hinterhof-Poesie, ein trockener Schmäh, Lieder aus dem Halbschatten der Stadt. Das ist Ernst Molden. Wer „Ernst Molden Konzerte“ googelt, landet bei dem ersten österreichischen Musiker überhaupt, der den Deutschen Liederpreis gewonnen hat. 2015 hat er sich den deutschen Liederpreis für das „bedeutendste Lied deutscher Sprache“ (Ho Rugg) abgeholt, als erster österreichischer Musiker. Ausgezeichnet für ein Lied, das die meisten Deutschen kaum Wort für Wort verstehen, weil es im breitesten Wienerisch gesungen wird.
Noch ein Detail, das man bei diesem Mann nicht erwartet: Bevor er Lieder schrieb, schrieb er Polizeiberichte. Nach Abbruch seines Germanistikstudiums begann Molden ab 1987 als Polizeireporter sowie danach für die Tageszeitung „Die Presse“ als Beilagenredakteur zu arbeiten. Vom Gerichtssaal in die dämmrigen Beisln der Stadt: Diesen Weg hört man jedem seiner Stücke an. Und der nächste Stopp auf der Landkarte heißt wieder Wien.
Ernst Molden Konzerte 2026: die Termine und der nächste Stopp in Wien
2026 ist Molden in mehreren Besetzungen unterwegs. Der nächste fixe Termin im Kalender ist Ende Juni in Wien, danach folgen Anfang Juli Linz und im Hochsommer wieder Wien.
Wer einen Molden-Abend plant, sollte eines wissen: Der Mann steht selten allein auf der Bühne, sondern fast immer mit einem Partner oder einem ganzen Ensemble. Drei Termine stechen für 2026 heraus. Den Auftakt macht der Abend Ursula Strauss & Ernst Molden - Nochdvegl am 28. Juni 2026 im Theater im Park in Wien. Zwei Stimmen, eine Gitarre, Wiener Stoff in Liedform.
Wenige Tage später wird es voller: Molden & das Frauenorchester - schduam spielt am 3. Juli 2026 auf der FrischLuft-Bühne des POSTHOF in Linz. Und im Hochsommer kehrt er nach Wien zurück, diesmal an der Seite des niederländischen Blues-Gitarristen: Hans Theessink & Ernst Molden am 21. Juli 2026, wieder im Theater im Park. Dass er ständig zwischen solchen Konstellationen wechselt, ist kein Zufall, sondern Programm. Die Oberösterreichischen Nachrichten nennen ihn schlicht „der herausragende österreichische Liedermacher der Gegenwart“, ein begnadeter Geschichtenerzähler aus Wien.
Wer ist Ernst Molden, und warum nennt man ihn den Leonard Cohen Wiens?
Molden, Jahrgang 1967, stammt aus einer Wiener Literaten- und Verlegerfamilie und ist heute einer der prägendsten Liedermacher Österreichs. Den Beinamen verdankt er dem Falter, weil seine Lieder aus dem urbanen Halbschatten kommen.
Die Herkunft ist hier kein nebensächliches Detail, sondern Teil der Pointe. Molden ist Sohn des Verlegers Fritz Molden und Enkel von Paula von Preradović, der Textdichterin der österreichischen Bundeshymne, sowie von Ernst Molden, dem einstigen Chefredakteur der Neuen Freien Presse. Der Enkel jener Frau, die den Text der Bundeshymne schrieb, singt heute über Galgen, Wassermänner und Vorstadtgassen. Das Magazin profil stellte die Familie 2022 sogar in eine Reihe mit den Manns in Deutschland und den Kennedys in den USA. Das Wienerische allerdings war im Elternhaus gar nicht selbstverständlich: Von seiner Großmutter mütterlicherseits, die sich in seiner Kindheit viel um ihn kümmerte, lernte Ernst Molden Wienerisch.
Den Übernamen trägt er seit Jahren. Thematisch schöpft der „Leonard Cohen Wiens“ (Zitat Falter) bevorzugt aus der reichen urbanen Mythenwelt der Donau-Metropole, aber auch aus seinem privaten Umfeld. Was seine Musik so eigen macht, ist ein Kniff, den man kaum bewusst wahrnimmt. Das musikalische Unterfutter verbindet Moldens lange Erfahrung mit dem elektrischen Blues mit zart gesetztem Lokalkolorit, und sei es ein verminderter Akkord, der eine Rockballade nach US-Baumuster auf einmal kaum merklich nach Ottakring entführt.
Seine Lehrmeister sind dabei kein Geheimnis. Molden selbst hat einmal gesagt: „Ich sehe mich in der Tradition eines Georg Danzer oder Wolfgang Ambros. Auch der amerikanische Folk und der Blues haben mich geprägt.“ Dieselbe Doppelnatur zeigt sich in seinen Coverversionen: Vielbeachtet sind seine Übertragungen ins Wienerische von Liedern von Bob Dylan, Johnny Cash, Nick Cave, Tom Waits, Townes van Zandt und Udo Lindenberg. Halb Wiener Schrammel, halb amerikanischer Songwriter: Das zieht sich durch sein ganzes Werk.
Vom Polizeireporter zum Wienerlied: ein ungewöhnlicher Weg
Molden kam über die Literatur und das Theater zur Musik. Erst sang er auf Hochdeutsch, dann fand er zum Dialekt, der heute seine natürliche Sprache auf der Bühne ist.
Bevor die Musik kam, war da das Wort. Nach den Jahren als Reporter wechselte er ans Theater: 1991 bis 1993 war Molden Dramaturg und Hausautor unter Hans Gratzer am Wiener Schauspielhaus, ab 1993 arbeitete er als Musiker und Schriftsteller und verfasste seither zahlreiche Kurzgeschichten, Feuilletons, Kolumnen, zwei Theaterstücke, vier Romane und drei Essaybände. Die musikalische Wende kam langsam. Anfangs holte er, wie es ein Plattentext einmal formulierte, das hochdeutsche Kunstlied ins Kellergewölbe, statt sich dem Dialekt zu öffnen.
Eine Schlüsselszene seiner Laufbahn spielt in den Neunzigern, in einem Wiener Songwriting-Kurs. Das Liebeslied ist eine tragende Säule im Werk Moldens, spätestens seit er in den neunziger Jahren die Klasse von Nick Cave an der Schule für Dichtung besuchte, wo Cave unter dem Titel „The Lovesong and How to Write One“ erklärte, es gebe keine noblere Kunst, als ein Liebeslied zu schreiben. Den entscheidenden Schritt zum Dialekt machte er aber erst im Zuge einer Freundschaft, die seine Karriere prägen sollte. Im Jahr 2007 begann eine intensive Zusammenarbeit mit der Wiener Rocklegende Willi Resetarits. In der Folge schrieb Molden vor allem Songs im Wiener Dialekt.
Der Funke sprang in einer Radiosendung über. Es ist einer Begegnung mit Willi Resetarits geschuldet, dessen Gast er in der Radioshow „Trost und Rat“ war, dass Molden das Dichten eigener Lieder nicht länger in seiner zweiten, der hochdeutschen Distanzsprache unternahm, sondern ohne Filter im Wiener Dialekt. Resetarits, einst als Kurt Ostbahn berühmt, wurde sein wichtigster Weggefährte. Über Molden sagte er knapp, dieser sei für ihn schlicht „der beste Singer-Songwriter auf Gottes Erden“.
Warum gerade Wienerisch? Weil der Dialekt eine eigene Disziplin verlangt. Der Dialekt zwingt Molden zu größter Genauigkeit. Verstiegene Formulierungen, die auf Hochdeutsch etwas Lyrisches, Leichtfertiges haben mögen, stürzen im Dialekt bleischwer ab. Genau diese Reibung macht seine Texte so dicht. Dass derselbe Mann nebenbei sogar einen „Asterix“-Comic ins Wienerische übersetzt hat („Kööch uman Asterix“), passt ins Bild eines Künstlers, der mit Sprache spielt wie andere mit Lego.
In welchen Besetzungen Molden spielt
Kein Molden-Konzert gleicht dem anderen. Solo, im Duo mit Ursula Strauss oder Hans Theessink, mit Band oder mit dem Frauenorchester. Die Besetzung entscheidet über den Charakter des Abends.
Das ist vielleicht der wichtigste Hinweis vor dem Ticketkauf: Du buchst nicht einfach „Ernst Molden“, sondern eine ganz bestimmte Konstellation. Molden tritt in verschiedensten Besetzungen auf: solo, im Duo mit dem Nino aus Wien oder Hans Theessink, mit Ursula Strauss oder großer Band, mit dem Frauenorchester oder mit Maria Petrova. Auch mit Christopher Seiler oder den Neuen Wiener Concert Schrammeln steht er regelmäßig auf der Bühne.
Die Verbindung mit der Schauspielerin Ursula Strauss ist dabei die meistbeachtete der vergangenen Jahre. Mit Ursula Strauss veröffentlichte er 2020 das Album „Wüdnis“. Das Duo reduziert die Lieder auf das Nötigste, zwei Stimmen und akustische Gitarre, und genau darin liegt der Reiz. Gemeinsam haben die beiden auch das Wienerlied-Projekt Remassuri auf die Bühne gebracht: Das Projekt „Remassuri“ von André Heller, Ursula Strauss und Ernst Molden bietet im Stadttheater Walfischgasse eine ungewöhnliche Reise durch die Welt des Wienerlieds.
Ganz anders der Abend mit dem Frauenorchester in Linz, wo der Sound breiter und orchestraler wird. Und wieder anders das Treffen mit Hans Theessink, bei dem zwei sehr unterschiedliche Blues-Auffassungen aufeinandertreffen. Wie produktiv Molden in solchen Partnerschaften arbeitet, zeigt die Reihe mit dem Nino aus Wien: Allein mit dem Programm „Unser Österreich“ spielten die beiden 140 Konzerte. Wer mehr über den Künstler und seine Termine wissen will, findet die Übersicht auf der Künstlerseite von Ernst Molden.
Was dich bei einem Molden-Abend erwartet
Erwarte keine Show, sondern eine Erzählung. Molden öffnet die Stadt wie ein Buch, der Ton schwankt zwischen Melancholie und trockenem Witz, und die akustische Gitarre steht meist im Zentrum.
Wer zum ersten Mal eines der Ernst Molden Konzerte besucht, sollte sich auf die Texte einlassen, auch wenn anfangs nicht jedes Dialektwort sitzt. Genau das ist Teil des Spiels, und es funktioniert verblüffend gut. Über das Wienerlied im Allgemeinen heißt es treffend, es offenbare einen tiefen Einblick in die Wiener Seele, sogar für Menschen, die den Dialekt der Texte nicht verstehen. Dazu kommt eine gehörige Portion Humor und Fatalismus, der dieser Musik eigen ist.
Molden ist heute einer der zentralen Köpfe einer ganzen Bewegung. Musiker wie Marco Wanda, Willi Resetarits, Ernst Molden, der Nino aus Wien oder Voodoo Jürgens transformieren das altehrwürdige Wienerlied zu einer rauen, dreckigen Popsprache, ganz ohne Glamour oder Showeffekte. Die Stadt selbst sieht ihn als festen Bestandteil ihrer Musikgeschichte. Wien-Tourismus formuliert es so: Der Wienerlied-Komponist Ernst Molden ist fest in die musikalische DNA der Stadt eingeschrieben.
Wie nah Molden an seinem Publikum sein kann, zeigte sich auf kuriose Weise im ersten Lockdown. Auf dem Balkon seiner Wohnung in Wien-Erdberg veranstaltete Molden insgesamt 20 Balkonkonzerte, die medial breit rezipiert wurden. Musikalisch reicht sein Spektrum von der leisen Ballade bis zur Bluesnummer, vom Stadtporträt bis zur Donau-Hymne: Das Album „Schdrom“ etwa widmet sich dem großen Fluss, der Donau, durch deren Wildnis hinter Wien er einen Sommer lang streifte. Im Duo-Format dominiert die Intimität, beim Orchesterabend wird der Klang voller. Wer das volle Programm an Live-Musik in Österreich sucht, wird in der Übersicht der Konzerte fündig.
Tickets, Anreise und praktische Tipps
Die Termine 2026 finden in überschaubaren Spielstätten statt, das spricht für frühes Buchen. Tickets gibt es über die offiziellen Verkaufsstellen, auf die die Veranstaltungsseiten direkt verlinken.
Zwei der drei Molden-Termine 2026 spielen im Theater im Park in Wien, einer auf der FrischLuft-Bühne des POSTHOF in Linz. Das sind keine Stadionkonzerte, sondern Abende mit klarer Sichtlinie und guter Akustik. Für das Wienerlied ist gerade das ideal, denn ein Genre dieser Art entfaltet sich am besten aus der Nähe. Wie es Wien-Tourismus beschreibt: Am besten erkundet man das Genre, indem man sich bei einer Live-Show ins kalte Wasser stürzt, wo das Publikum die Musiker hautnah in oft intimen Spielstätten erlebt. Solche Formate sind allerdings oft schneller ausverkauft als gedacht.
Den Ticketkauf wickelst du am besten über die jeweilige Veranstaltungsseite ab, die auf den offiziellen Vorverkauf weiterleitet. Für den Auftakt ist das Ursula Strauss & Ernst Molden - Nochdvegl am 28. Juni in Wien, gefolgt von Molden & das Frauenorchester - schduam in Linz und Hans Theessink mit Molden am 21. Juli wieder in Wien. Wer flexibel ist, vergleicht die drei Besetzungen und entscheidet erst dann, ob es der intime Duo-Abend oder der orchestrale Auftritt sein soll. Einen Gesamtüberblick über weitere Termine in Österreich gibt der Veranstaltungskalender.
Häufige Fragen zu Ernst Molden Konzerten
Die wichtigsten Fragen rund um Sprache, Besetzung und Termine kurz beantwortet.
Muss ich Wienerisch verstehen, um ein Konzert zu genießen?
Nein. Molden singt überwiegend im Dialekt, doch die Musik trägt die Stimmung auch dann, wenn dir das eine oder andere Wort entgeht. Das Wienerlied gibt einen Einblick in die Seele der Stadt, selbst wenn man den Dialekt nicht jedes Mal entschlüsselt. Wer mag, hört vorher in das Album wüdnis hinein, dann fällt das Mitgehen noch leichter.
Spielt Molden immer dasselbe Programm?
Eben nicht. Er tritt solo, im Duo mit Ursula Strauss oder Hans Theessink und mit dem Frauenorchester auf, und jede Besetzung bringt einen eigenen Charakter mit. Schau also genau hin, welcher Abend angekündigt ist, denn das Theater-im-Park-Konzert mit Ursula Strauss klingt grundlegend anders als der Orchesterabend in Linz.
Wann und wo finden die nächsten Konzerte 2026 statt?
Der nächste Termin ist der 28. Juni 2026 im Theater im Park in Wien, danach folgen am 3. Juli Linz und am 21. Juli erneut Wien. Alle drei Abende laufen in mittelgroßen Spielstätten, ein frühes Ticket lohnt sich daher.
Warum gilt Molden als so bedeutend, wenn er kaum Radiohits hat?
Weil er als erster Österreicher den Deutschen Liederpreis für das bedeutendste deutschsprachige Lied gewann und Resetarits ihn sogar den besten Singer-Songwriter auf Gottes Erden nannte. Sein Einfluss auf die neue Wiener-Lied-Szene rund um Voodoo Jürgens und den Nino aus Wien ist beträchtlich, auch wenn sein Name im Mainstream weniger laut klingt.
Lohnt sich der Besuch auch für Nicht-Österreicher?
Durchaus. Solo und in wechselnden Formationen tourte Molden wiederholt in Österreich und dem deutschsprachigen Ausland. Sein Mix aus amerikanischem Songwriting und Wiener Stoff funktioniert überall dort, wo man sich auf Atmosphäre und Erzählung einlässt. Der Dialekt ist dabei weniger Barriere als Würze.
Quellen
- Veranstaltungsdaten und Tickets: Ursula Strauss & Ernst Molden - Nochdvegl (28.06.2026, Theater im Park, Wien)
- Molden & das Frauenorchester - schduam (03.07.2026, POSTHOF FrischLuft-Bühne, Linz)
- Hans Theessink & Ernst Molden (21.07.2026, Theater im Park, Wien)
- Künstlerseiten: Ernst Molden, Molden & das Frauenorchester, Ursula Strauss
- Hintergrund: Österreichisches Musiklexikon (musiklexikon.ac.at), Wikipedia-Artikel zu Ernst Molden, mica - music austria (musicaustria.at), Hanser Literaturverlage, profil.at, wien.info, Schule für Dichtung (sfd.at)
- Weitere Termine: Veranstaltungskalender und Konzerte