Prima facie
Theater rote Bühne, Nürnberg, Deutschland
Prima facie - juristischer Terminus für "Anscheinsbeweis"
Tessa hat es geschafft: Aus dem Arbeiterkind wurde eine gefragte Strafverteidigerin, die ihre Rosshaarperücke mit Stolz trägt. Ihr Terminkalender ist randvoll. Sie verteidigt erfolgreich Männer, die wegen sexueller Übergriffe vor Gericht stehen - denn ein guter Verteidiger erzählt lediglich die beste Version der Geschichte. Ihre Aufgabe ist es, die Lücken in der Anklage zu finden und die Aussagen der Opfer im Kreuzverhör zu prüfen. Es geht ihr um die juristische Wahrheit: nicht ob das Opfer zugestimmt hat, sondern ob der Angeklagte wusste, dass kein Einvernehmen bestand.
Abends geht es mit Alice und Julian in den Pub - Prosecco, Tequila, Smalltalk. Mit Julian kommt Tessa sich näher, die beiden schlafen miteinander. Doch dann passiert etwas, womit sie nicht gerechnet hat: Julian wird sexuell übergriffig. War das schlechter Sex in stark alkoholisiertem Zustand - oder war es eine Vergewaltigung? Tessa geht zur Polizei.
Als Zeugin der Anklage erlebt sie die Vorgänge im Gerichtssaal nun von der anderen Seite. Was sie dabei erkennt, verändert ihre Sicht grundlegend: Die weibliche Erfahrung sexualisierter Gewalt, so ihr Schluss, passt nicht in ein von Männern geprägtes juristisches System.
Suzie Millers Monolog wurde 2019 in Sydney uraufgeführt und hat seitdem im Londoner West End und am Broadway gespielt. Im Frühjahr 2022 übernahm Jodie Comer ("Killing Eve") die Rolle der Tessa am National Theatre in London - mehr als 300.000 Zuschauer:innen sahen das Stück durch die Ausstrahlung von National Theatre Live im Kino. Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 17. September 2023 am Deutschen Theater in Berlin statt.
Best New Play - Olivier Award 2023
Best New Play - WhatsOnStage Award 2023











