Chapeau Classique: Maximilian Kromer : Wanderer
Erbdrostenhof, Münster, Deutschland
Foto: Günter Seggebäing, Coesfeld · CC BY-SA 3.0
Max Kromer aus Wien, Gewinner des Internationalen Schubert Wettbewerbs Dortmund 2025, stellt Schubert und Liszt ins Zentrum seines Programms - den einen als „Wanderer", den anderen als seinen glühenden Verehrer und Verwandler. Seufzer und Jauchzen, Eleganz und Melancholie, Virtuosität und Einfachheit: Das Programm trägt diesen Ambivalenzen kongenial Rechnung.
Zu Beethovens 200. Todestag 2027 erweist Kromer ihm die Reverenz mit der heiteren Es-Dur-Sonate op. 31/3 - die im Kontext des „Wanderer"-Programms wie ein Vorschein des „hoffnungsgrünen Landes" aus Schuberts Lied erscheint. Beethoven schrieb sie 1802, im Jahr des „Heiligenstädter Testaments", in dem der 32-Jährige seine Verzweiflung über seine fortschreitende Taubheit und seine Suizidgedanken offenbarte - zugleich aber seine Entschlossenheit, für die Kunst weiterzuleben.
Schuberts monumentaler Wanderer-Fantasie liegt sein Lied „Der Wanderer" zugrunde: Ausdruck der Sehnsucht nach Beheimatung im Metternichschen Überwachungsstaat, aber auch existenzieller Fremdheit schlechthin. Der Wanderer sehnt sich nach metaphysischem Obdach, nach einer Natur, die verständlich zu ihm spricht, nach menschlichem Verstanden-Werden - und gibt seiner Melancholie Ausdruck aus dem Wissen heraus, dass das Land, „das meine Sprache spricht", so utopisch ist wie die Auferstehung der Toten. „Dort, wo du nicht bist, ist das Glück."
Liszt transformierte Schuberts Lieder in brillante Konzertstücke seiner eigenen Sprache, weil er ihn zutiefst bewunderte und dessen Liedkunst den Zeitgenossen vermitteln wollte. Auch seine „Soirées de Vienne" sind eine Liebeserklärung an Schubert, inspiriert von dessen „Valses nobles" - äußerlich schlichte, tänzerische Charakterminiaturen, von edler Schwermut grundiert -, die Kromer gekonnt durch das Programm streut.
PROGRAMM: Wanderer
Franz Schubert (1797-1828): Valses Nobles D. 969, 1-3
Franz Schubert / Franz Liszt (1811-1886): Sei mir gegrüßt, Gretchen am Spinnrade, Ständchen (Liedbearbeitungen)
Franz Schubert: Valses Nobles D. 969, 4-6
Ludwig van Beethoven (1770-1827): Klaviersonate in Es-Dur, op. 31/3
Franz Schubert: Valses Nobles D. 969, 7-9
Franz Liszt: Soirées de Vienne 4, 6, 9
Franz Schubert: Valses Nobles D. 969, 10-12
Franz Schubert: Wanderer-Fantasie in C-Dur, op. 15, D. 760
Maximilian Kromer, Klavier











