Flammen
Teatr Polski im. Arnolda Szyfmana w Warszawie, Warschau
Das Schreiben von Stanisław Brzozowski war für meine Generation eine prägende Lektüre. In unseren frühen Inszenierungen sprachen wir in Fragmenten aus "Flammen", identifizierten uns mit Brzozowskis Gedanken, mit seiner Haltung der Rebellion. Dieser Denker, der in sechs Sprachen las, hinterließ Überlegungen zur Polnischheit, die erstaunlich aktuell bleiben — er lehrte, wie man sich von der "infantilisierten" Polnischheit, vom oberflächlichen Katholizismus und schließlich von der nationalistischen Polnischheit befreien kann.
Brzozowski schrieb "Flammen" 1906, und die Aktualität der im Roman enthaltenen Probleme ist beeindruckend. Michał Kaniowski, der Held von "Flammen", begeht einen Selbstverbrennungsakt im Namen des Kampfes um Freiheit. Diese Geste wird sich tragisch wiederholen — am 19. Oktober 2017 beging Piotr Szczęsny einen Selbstverbrennungsakt auf dem Plac Defilad vor dem Kulturpalast.
Brzozowskis prophetische Worte erfüllen sich: Ein Mensch kann getötet werden, aber der Gedanke kann nicht getötet werden. Die Erzählerinnen der Aufführung sind Frauen — Katia und Ola, die Flugblätter druckten und Bomben warfen — die die Geschichten von Michał Kaniowski und seinen revolutionären Freunden erzählen.
Die Aufführung ist den Menschen gewidmet, die überall auf der Welt für Freiheit kämpfen.
— Janusz Opryński