Miles Davis Wien: die Spuren einer Jazz-Legende in der Stadt

Du kennst diesen Ton, auch wenn du nie eine Jazzplatte besessen hast. Diese gedämpfte, hinter dem Takt hängende Trompete, die aus Café-Playlists, Filmszenen und Serien wie Mad Men tropft. Das ist Miles Davis. Und jetzt der Punkt, den kaum jemand auf dem Schirm hat: Wer heute nach Miles Davis Wien googelt, sucht meist nicht nach einem kommenden Konzert, sondern stolpert über drei Jahrzehnte echter Stadtgeschichte. Davis stand mehrfach in Wien auf der Bühne, einmal so laut und verzerrt, dass Puristen fluchtartig den Saal verließen, und sein allerletztes Konzert auf europäischem Boden gab er ebenfalls hier. Konzerte in Wien haben also eine direkte Linie zu einem der wichtigsten Musiker des 20. Jahrhunderts.

Miles Davis Wien: was von den Konzerten wirklich geblieben ist

Kurz gesagt: Miles Davis Wien meint vor allem drei Momente. Ein legendäres Elektro-Konzert 1973 in der Stadthalle, ein Comeback-Auftritt im Wiener Konzerthaus zu Beginn der 1980er und sein letztes Konzert in Europa 1991, wenige Monate vor seinem Tod.

Die Verbindung zwischen Davis und der Stadt war nie einmalig, sondern zog sich durch seine späte Karriere. Das damalige Miles Davis Septet tourte im Herbst 1973 durch Europa und machte am 3. November in der Wiener Stadthalle Station, für ein Konzert aus sechs Stücken und knapp 63 Minuten Länge. Fast ein Jahrzehnt später kam er zurück, für ein Konzert im Wiener Konzerthaus zu Beginn der 1980er, während seiner Rückkehr-Tournee rund um das Album "The Man with the Horn". Davor lag eine lange Pause: Von 1975 bis Anfang 1980 hatte er sich, physisch und psychisch angeschlagen, aus der Szene zurückgezogen und die Trompete kaum mehr angerührt.

Und das Ende der Geschichte spielt ebenfalls in Wien. Sein letztes Konzert in Europa gab Davis 1991 im Austria Center in Wien, kurz vor seinem Tod. Er starb im selben Jahr, geboren war er 1926 im US-Bundesstaat Illinois. Das Kapitel Miles Davis Wien ist also abgeschlossen, aber es hallt nach, und zwar bis in Ecken der Popkultur, in denen niemand Jazz vermuten würde.

Der Abend in der Stadthalle 1973: Miles am äußersten Rand

Kurz gesagt: Das Stadthallen-Konzert von 1973 gilt vielen als der Höhepunkt von Davis' elektrischer Phase. Wer sich fragt, warum sein Name auch bei Rockfans fällt, findet hier die Antwort.

Das war kein Cocktail-Jazz. Die Besetzung dieser Periode bestand aus Dave Liebman an Saxofon und Flöte, Reggie Lucas und Pete Cosey an den Gitarren, Michael Henderson am Bass, Al Foster am Schlagzeug und James Mtume an der Perkussion. Das gesamte Programm wurde vom österreichischen Fernsehen übertragen. Bemerkenswert daran: Davis war zu diesem Zeitpunkt alles andere als fit. Er erholte sich gerade von einem Autounfall, weigerte sich aber aufzuhören. In seiner Autobiografie begründete er das später damit, dass er mit 47 Jahren nicht in einen Schaukelstuhl gehöre, sondern weiter interessante Dinge ausprobieren wolle.

Wie ausschweifend dieses Kapitel war, zeigt ein Detail zum Bassisten. Bevor Michael Henderson zu Davis kam, tourte er mit Stevie Wonder, und Miles soll zu Wonder gesagt haben: "I'm takin' your fuckin' bass player." Dass Davis überhaupt in solchen Klanglandschaften unterwegs war, hatte auch mit europäischer Avantgarde zu tun. Der deutsche Komponist Karlheinz Stockhausen, den Davis als großen musikalischen Einfluss bezeichnete, arbeitete mit Klängen, die plötzlich aus allem anderen herausschneiden und ebenso schnell wieder verschwinden. Genau dieses Prinzip, Dissonanz und plötzlicher Gegenpunkt, prägte die Wiener Aufnahme. Für Fans des elektrischen Miles ist der Mitschnitt bis heute ein Referenzdokument.

Bevor es laut wurde: der Sound, den jeder kennt

Kurz gesagt: Lange vor den Verstärkerwänden schuf Davis mit "Kind of Blue" die meistverkaufte Jazzplatte aller Zeiten. Sie ist für viele bis heute die Eingangstür in den Jazz.

Wenn dir Jazz irgendwann als schön statt kompliziert vorkam, liegt das oft an einem einzigen Album. "Kind of Blue" erschien im August 1959 bei Columbia Records. Davis leitete dafür ein Sextett mit den Saxofonisten John Coltrane und Julian "Cannonball" Adderley, dem Pianisten Bill Evans, dem Bassisten Paul Chambers und dem Schlagzeuger Jimmy Cobb, wobei der neue Bandpianist Wynton Kelly Evans bei "Freddie Freeloader" ersetzte. Der Ansatz war revolutionär in seiner Schlichtheit. Schon davor experimentierte Davis mit modalem Jazz: Er hielt den Hintergrund eines Stücks einfach, während die Solisten über eine oder zwei Tonleitern spielten, statt über dichte Akkordfolgen.

Fast noch verblüffender ist, wie beiläufig dieses Denkmal entstand. Die gesamte Platte wurde günstig gemacht. Die Gruppe verbrachte nur rund neun Stunden im Studio und verbrauchte vier Bänder, der einzige weitere Posten des Tages war das Honorar für einen Klavierstimmer. Davis selbst blieb kühl gegenüber dem eigenen Klassiker. In seiner Autobiografie bezeichnete er das Album als "failed experiment" und erklärte, es habe nicht ganz die Klänge eingelöst, die er im Kopf gehabt habe. Genau diese Rastlosigkeit erklärt, warum der Wiener Miles von 1973 so wenig mit dem Miles von 1959 zu tun hat.

Ein Leben in ständiger Häutung

Kurz gesagt: Davis blieb nie in einem Stil stehen. Von Bebop über Cool Jazz und modalen Jazz bis zur Fusion war er bei fast jeder großen Wende dabei, oft als Auslöser.

Das ist der Grund, warum eine einzige Karriere so viele Türen aufstößt. Davis hatte eine produktive Laufbahn, die in der Bebop-Ära Mitte der 1940er begann und sich bis in die frühen 90er zog. Auf diesem Weg war er in fast jeder Windung des Genres ein Neuerer: Cool Jazz, Hard Bop, modaler Jazz, dann Fusion. Seine Bands waren dabei so etwas wie eine Hochschule des Jazz. Zu den Musikern, die durch seine Gruppen gingen, zählen Wayne Shorter, Herbie Hancock, Chick Corea und Keith Jarrett, die später selbst zu Größen wurden.

Wer die Comeback-Jahre einordnen will, in die auch der Konzerthaus-Auftritt fällt, muss die lange Pause davor kennen. Nach dem Rückzug ab 1975 kehrte Davis erst um 1980 zurück, ausgerechnet mit der Tournee, die ihn auch nach Wien führte. Es war die letzte große Etappe eines Musikers, der lieber scheiterte als sich wiederholte.

Warum sein Name überall auftaucht

Kurz gesagt: Der Einfluss von Miles Davis reicht weit über den Jazz hinaus, bis in Rock, HipHop und Popkultur. Deshalb begegnet einem sein Sound heute an Orten, an denen man keinen Jazz erwartet.

Der Nachhall ist fast absurd breit. John Mayer, Damon Albarn, Kendrick Lamar und Lana Del Rey nennen Davis als Einfluss, ebenso Mitglieder von Radiohead, den Red Hot Chili Peppers, Steely Dan und Wilco. Manche Details lesen sich wie Kuriositäten und sagen doch alles über seinen Status. Lady Gaga trägt ein Tattoo seiner Trompete, und es gibt sogar eine nach ihm benannte Trilobiten-Untergattung. Auch im Fernsehen ist seine Musik omnipräsent. "Kind of Blue" tauchte in gefeierten Serien wie Better Call Saul, The Marvelous Mrs. Maisel, The Wire, Dexter und The West Wing auf.

Der Rapper Q-Tip brachte die Sonderstellung des Albums auf eine Formel. Er sagte, "Kind of Blue" sei "like the Bible", man habe einfach eines im Haus. So erklärt sich, warum das Thema Miles Davis Wien auch dreißig Jahre nach seinem Tod noch trägt: Sein Klang ist präsenter als der vieler lebender Stars.

Jazz und Live-Musik in Wien heute erleben

Kurz gesagt: Ein neues Miles-Davis-Konzert wird es nicht geben, aber Wien ist eine Live-Musik-Stadt. Über die Konzert-, Festival- und Künstler-Übersichten findest du, was aktuell auf den Bühnen läuft.

Wenn dich die Suche nach Miles Davis Wien hierher geführt hat, geht es vermutlich um zwei Dinge: die Geschichte und die Frage, wo man diese Art von Musik heute live hört. Die Geschichte steht oben. Für das Live-Erlebnis lohnt der Blick in die laufenden Programme, denn die Wiener Spielorte reichen von großen Hallen bis zu kleinen Clubs. Einen aktuellen Überblick liefert der Veranstaltungskalender, während sich für reine Musikabende die Übersicht der Konzerte in Wien anbietet. Wer im Sommer unterwegs ist, wird häufig bei den Festivals fündig, wo Jazz, Elektronik und Popprogramme oft nebeneinander laufen.

Wie breit das Angebot in der Stadt ist, zeigt schon ein einzelner Sommertag: Da stehen das Rave-Format Dance Danubia am Arena Beach und der Auftritt der Hardcore-Band Converge in der Arena Wien nebeneinander auf dem Programm. Mit Davis hat das musikalisch nichts zu tun, ein völlig anderes Genre, aber es ist dieselbe lebendige Live-Stadt, die ihn 1973 in die Stadthalle brachte. Wer lieber nach Namen als nach Terminen sucht, blättert am besten durch die Künstlerübersicht.

Häufige Fragen zu Miles Davis Wien

Kann man Miles Davis heute noch live in Wien sehen?

Nein, das ist leider ausgeschlossen. Davis starb 1991, und sein letztes Konzert in Europa gab er im selben Jahr ausgerechnet in Wien, im Austria Center. Wer seinem Sound trotzdem nahekommen will, sucht am besten nach Jazzabenden und Tribute-Programmen im laufenden Wiener Konzertkalender.

Wann und wo trat Miles Davis in Wien auf?

Belegt ist vor allem der Auftritt seines Septetts am 3. November 1973 in der Wiener Stadthalle, der im österreichischen Fernsehen übertragen wurde. Dazu kommen ein Konzert im Wiener Konzerthaus zu Beginn der 1980er während seiner Comeback-Tournee sowie sein Abschiedsauftritt 1991 im Austria Center.

Gibt es das Wiener Konzert von 1973 als Aufnahme?

Ja. Der Mitschnitt aus der Stadthalle kursiert unter Titeln wie "Live in Vienna 1973" beziehungsweise "Stadthalle, Vienna 1973" und dokumentiert Davis in seiner härtesten, elektrischsten Phase. Für Fans dieser Ära gilt der Abend als einer der stärksten seiner Europatournee.

Warum klingt der Wiener Miles von 1973 so anders als "Kind of Blue"?

Weil zwischen beiden Welten Davis' komplette künstlerische Häutung liegt. 1959 stand die schwebende Ruhe des modalen Jazz im Zentrum, 1973 waren es verzerrte Gitarren, Wah-Wah-Effekte und Funk-Grooves. Davis wollte sich nie wiederholen, und Wien bekam beide Enden dieser Entwicklung mit.

Wo finde ich aktuelle Jazz- und Live-Konzerte in Wien?

Am schnellsten über den Veranstaltungskalender und die Konzertübersicht auf dieser Seite. Dort stehen Termine, Spielorte und offizielle Ticketlinks. Die Programme wechseln laufend, ein regelmäßiger Blick lohnt sich also, besonders in der Festivalsaison.

Quellen

  • Erinnerungen und Rückblicke zum 90. Geburtstag von Miles Davis (Konzerthaus-Auftritt Anfang der 1980er, Rückzug 1975 bis 1980, letztes Europakonzert 1991 in Wien)
  • Discogs, Jazz Messengers und Handelsangaben zu "Miles Davis Septet: Stadthalle, Vienna 1973" (Datum 3. November 1973, Besetzung, TV-Übertragung)
  • Begleittexte zu "Live in Vienna 1973" (Autounfall, Zitat aus der Autobiografie, Michael Henderson)
  • Dangerous Minds, "Extreme Jazz: Miles Davis live in Vienna, 1973" (Stockhausen-Einfluss, Klangbild des Konzerts)
  • Wikipedia, "Kind of Blue" (Erscheinungsjahr, Besetzung, modaler Ansatz)
  • NPR und Jazzfuel, Hintergrund zu "Kind of Blue" (Bestseller, Aufnahmebedingungen, Karriereverlauf)
  • Miles Davis Official Site (Davis' eigene Einschätzung als "failed experiment")
  • Beitrag "Miles Davis, Kind of Blue, and a Doorway Between Genres" (Einfluss auf Pop und HipHop, Popkultur, Q-Tip)
  • evental.eu: Konzerte in Wien, Veranstaltungskalender, Festivals und Converge in der Arena Wien