Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten - Premiere; Stückeinführung 19:30 Uhr
Zimmertheater im Löwen Tübingen, Deutschland
20 €
Catarina oder von der Schönheit, Faschisten zu töten
Tiago Rodrigues, aus dem Portugiesischen von Niki Graça
In einer portugiesischen Familie gibt es eine sommerliche Tradition: Zum Jahrestag der Ermordung der Landarbeiterin Catarina Eufémia am 19. Mai 1954 - durch Schergen der Salazar-Diktatur - wird ein Faschist getötet. Die Familienzusammenkunft beginnt mit Essen und Trinken und endet mit der Erschießung des zuvor gekidnappten Delinquenten. Als sich die Tochter weigert, das Ritual fortzusetzen, weil sie nicht mehr an die Logik der Vergeltung glaubt und Gewalt als legitimes Mittel zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie ablehnt, entfaltet sich eine komplexe politische und ethische Auseinandersetzung innerhalb der Familie.
Das Stück stellt Fragen, die unmittelbar unsere gesellschaftlichen Realitäten berühren: Was ist heute ein Faschist, und wie funktionieren faschistische Rhetoriken? Was bedeutet „politisch handeln" heute? Was hat eine wehrhafte Demokratie anzubieten, wenn Widerstand nicht in Gewalt umschlagen soll? Dürfen wir die Regeln der Demokratie verletzen, wenn wir nach anderen Wegen suchen, sie zu verteidigen? Und besteht die zentrale Herausforderung nicht gerade darin, „dass wir den Faschismus auf nicht faschistische Weise zu bekämpfen lernen" (Eva von Redecker)?
„Catarina e a beleza de matar fascistas" wurde 2020 von Tiago Rodrigues in Portugal uraufgeführt und gastierte vielfach in Europa. Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 14.2.2026 in der Regie von Mateja Koleznik am Schauspielhaus Bochum statt. Tiago Rodrigues, geboren 1977 in Portugal, ist Schauspieler, Regisseur, Dramatiker und Produzent; seit 2022 leitet er das Avignon Festival. Er gründete 2003 gemeinsam mit Magda Bizarro die Kompanie Mundo Perfeito, war von 2015 an Direktor des Teatro Nacional D. Maria II in Lissabon und wurde u. a. mit dem XV. Europäischen Preis für Theaterrealitäten (2018), dem Titel „Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres" der französischen Republik (2019), dem Prémio Pessoa (2019) sowie der Medaille für kulturelle Verdienste in Portugal (2021) ausgezeichnet.
Nach jeder Vorstellung findet ein Nachgespräch statt, zu dem Vertreterinnen und Vertreter aus der Tübinger Stadtgesellschaft sowie auswärtige Gäste mit unterschiedlicher Expertise eingeladen werden. Das Zimmertheater kooperiert dabei mit dem Institut für Rechtsextremismusforschung der Uni Tübingen; besonderer Dank gilt Prof. Dr. Léonie de Jonge.
Besetzung:
Marco: Paul Schmollich
Rui: Udo Rau
Isabel: Christina Weiser
Sara: Sophie Maria Scherrible
Antonio: Thomas Bockelmann
Romeu: Malte Flierenbaum
Regie: Tobias Schilling - Ausstattung: Birgit Angele - Dramaturgie: Dr. Stefan Tigges - Technik: Mike Michelius, Alexander Schwab
Premiere: 17.10.2026 - Stückeinführung: 19:30 Uhr











