Yael Inokai - »Die Auster«
Künstler*innenhaus Mousonturm, Frankfurt, Deutschland
Foto: stephan-roehl.de · CC BY-SA 2.0
„Im Großen und Ganzen war sie unsichtbar, konnte durch die Welt gehen, als gäbe es sie nicht."
Seit 45 Jahren putzt Leonora Bloch für Dr. Bronnstedt - in seinem Luxuskaufhaus wie in seiner Privatvilla. Sie nimmt diese Aufgabe so ernst, dass die Polizei keine Spuren sichern kann, als Bronnstedt brutal ermordet aufgefunden wird: Leonora hat den Tatort zu sorgfältig gereinigt. Die ermittelnden Beamten rätseln, ob das bloß jenes Pflichtbewusstsein ist, das Bronnstedt einst dazu brachte, testamentarisch zu verfügen, Leonora möge seine Beerdigung organisieren - oder ob die alte Frau etwas zu verbergen hat.
Alle Indizien deuten auf einen lupenreinen Krimi hin, doch der Schein trügt. Mit der stilistischen Präzision, für die Yael Inokai bekannt ist, beschreibt sie die gar nicht so feinen Unterschiede zwischen Reinigungskolonne und den Menschen, die in den Delikatessabteilungen dieser Welt einkaufen. Leonora Bloch steht dabei im Mittelpunkt: Aufgrund ihrer Stellung in der Gesellschaft übersehen, sieht sie selbst doch alles. Und während sie glaubt, ihr Pflichtgefühl sei ihre größte Stärke, lernen wir nach und nach die Verwerfungen kennen, zu denen eine falsch verstandene Diskretion in ihrem Leben geführt hat.
Moderation: Björn Jager
Yael Inokai, geboren 1989 in Basel, lebt in Berlin. Ihr zweiter Roman »Mahlstrom« wurde mit dem Schweizer Literaturpreis 2018 ausgezeichnet, für »Ein simpler Eingriff« erhielt sie den Anna Seghers-Preis 2022 und den Clemens-Brentano-Preis 2023. Ihre Werke sind in sieben Sprachen übersetzt.
Eintritt: € 6,-/9,-/12,- (pay as you wish)











