Aneignung und Auferstehung
Martin-Luther-Kirche Dresden, Deutschland
Foto: User:Kolossos · CC BY-SA 3.0
RENAISSANCE III | Arrangements der Schütz-Passionen von Carl Riedel (1870) sowie Werke von Johannes Brahms und Arnold Mendelssohn
18.30 Uhr | Auf ein Wort… Prof. Dr. Walter Werbeck
Einstimmung auf das Konzert „Aneignung und Auferstehung"
Als Carl Riedel 1857 in Leipzig Werke von Schütz aufführte, begeisterte er das Publikum mit 350 Sängerinnen und Sängern, einem fünfzigköpfigen Orchester und der großen Ortel - die Thomaskirche bebte. Sein Pasticcio „Die Historia des Leidens und Sterbens unseres Herrn Jesu Christi" schöpfte aus den drei Passionen von Heinrich Schütz sowie einer weiteren von Marco Giuseppe Peranda, die zu Riedels Zeit noch als Schütz-Werk galt.
Mit dem Aufstieg der Alte-Musik-Bewegung geriet diese Art der Aneignung in Verruf: zu viel Zeitgeschmack überlagere das historische Erbe, so der Vorwurf. Dabei ist die Wiederentdeckung der „Alten Musik" ohne diese frühen Versuche kaum denkbar - und ohne die vom Historismus getragene Sammel- und Editionsleidenschaft der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wären eine Reihe von Manuskripten der Musik bis 1750 unwiederbringlich verloren.
Der GewandhausChor stellt Riedels frühes Zeugnis der Schütz-Renaissance in den Kontext mit Werken von Johannes Brahms und Arnold Mendelssohn, die beide mit kompositorischer Neugier an der „Wiederentdeckung" der „Alten Musik" teilhatten.











