Das weiße Leintuch
Kulturforum Synagoge Görlitz, Deutschland
25 €
Lesung mit Corinna Harfouch und Hideyo Harada aus Antanas Škėmas Roman »Das weiße Leintuch«.
Der Roman gilt als Meilenstein der modernen litauischen Literatur. Im New Yorker Exil entstanden, erzählt Škėma auf Basis seiner eigenen Biografie das Leben des litauischen Exilanten Antanas Garšva, der sich im New York der frühen 1950er Jahre als Liftboy im größten Hotel der Stadt verdingt. Das tägliche Auf und Ab im Fahrstuhl erscheint ihm wie die Arbeit des Sisyphos - ein Vergleich, der Škėma den Beinamen »litauischer Camus« eintrug. Die stupide Repetition des Immergleichen und die reizüberflutende Scheinwirklichkeit der amerikanischen Megacity zehren an den Nerven des ohnehin neurasthenischen Garšva, der sich als Dichter sieht, geboren, um Verse für die Ewigkeit zu hinterlassen.
In expressionistischem, assoziativem Stil, durchsetzt von episodischen Rückblenden in Kindheit und Jugend, erstes Verliebtsein und seinen Verlust, politische Indoktrination in der Heimat und schließlich die Auswanderung, entfaltet der Roman das Psychogramm eines Getriebenen - und zugleich ein höhnisch verzerrtes Mosaik des von Ideologien beherrschten 20. Jahrhunderts: vom sozialistischen Kaunas bis zum kapitalistisch durchhöhlten Nachkriegs-New York.
Die Übersetzerin Claudia Sinnig hat diese feinkomponierte Tirade in all ihrer Schroffheit, Verzweiflung und sprachlichen Sprengkraft ins Deutsche übertragen - Škėmas erste deutsche Stimme überhaupt. Neben der Lesung durch Corinna Harfouch spielt die Pianistin Hideyo Harada Klavierstücke von Bach, Mozart, Chopin und Schumann bis zu Čiurlionis und Bartók.











